Musik Tanz Bar

 

„Die Leute sollen tanzen und feiern“

Von UTA BÖKER

Frechen - Das Tanzlokal Canapé macht wieder auf und bietet ein Ambiente der 30er-Jahre. Zwei mutige Existenzgründerinnen bringen neues Leben in das traditionsreiche Tanzlokal.

Frechen - Es ist ein Abstieg in eine andere Welt, in eine andere Zeit. Die Wände an der Treppe in den Keller sind rot gestrichen. Das fällt zuerst auf. Unten angelangt, beginnt dann die Zeitreise. Im Vorraum steht ein altes, verstimmtes Klavier, Fotos aus alten Frechener Zeiten hängen an der Wand, ein unmoderner Zigarettenautomat steht in der Ecke. Im Lokal selbst angelangt, fühlt man sich endgültig in die 30er Jahre zurückversetzt: Das Tanzlokal „Canapé“ an der Dr.-Schultz-Straße 32 macht am heutigen Samstag, 19 Uhr, wieder auf.

Zwei Jahre lang war die traditionsreiche Bar geschlossen. Jetzt steigen zwei mutige Frauen ins Geschäft ein: Klaudia Tkocz und Jeanette Booms wagen den Schritt in die Selbstständigkeit. „Ich war hin und weg, als ich das erste Mal hier reinkam“, schwärmt Jeanette Booms. „Genau das Richtige“, wusste die 42-Jährige sofort. Denn: „Ich bin eine alte Thekenfrau.“ Vom Fach also. Sie hat vor ewigen Zeiten den Beruf des Kochs gelernt und führte ein paar Jahre lang auf Mallorca eine Kneipe. Die Worte sprudeln nur so aus ihr heraus. Ihre Begeisterung für die Tanzbar Canapé kennt keine Grenzen: verspiegelte Decke über der Tanzfläche, goldene Vertäfelung über der viereckigen Bar, rote Sofas, rot-hellrot gestreifte Textiltapete, gerahmte Fotos von Frechen und Frechenern aus der Zeit vor und nach dem Zweiten Weltkrieg. Am schönsten sind aber die Jugendstil-Lampen auf der Bar. „In die habe ich mich sofort verliebt“, sagt Klaudia Tkocz. Sie gibt nicht so viel Gas wie ihre Freundin. Die 38-Jährige bremst eher, braucht Sicherheit. „Die Leuchter kann keiner klauen, sie sind verschraubt“, sagt sie.

So bilden die beiden Frauen ein gutes Team, findet auch Bernd Dresia von der Zweigstelle der Industrie- und Handelskammer in Köln. Er beriet die beiden Existenzgründerinnen und ist begeistert von ihrem „unglaublichen Engagement“. Auch Vermieter Willi Halver ist sicher, die Richtigen für sein Lokal gefunden zu haben. Viele Bewerbungen habe er gehabt. Ihn überzeugt hat am Ende vor allem eins: „Die Leidenschaft, mit der die beiden das machen.“ Vor 40 Jahren eröffneten die Frechener Brüder Klefisch die Bar und gaben ihr den Namen „Tanzlokal Kanapé“. „Matthias Klefisch hat sich die Dekoration ausgedacht“, erinnert sich Halver. Fünf Jahre später übernahm Simon Trier das Lokal und wurde mit ihm alt. 2001 hörte er auf.

„Die Leute sollen tanzen und feiern. Zur Musik der 70er und 80er Jahre“, wünscht sich Klaudia Tkocz. Am liebsten würde sie auch einmal so eine Band wie Boney M. einladen. „Doch das sind Wunschträume. Dafür fehlt uns das Geld“, sagt die gebürtige Schlesierin. Von den Banken fühlen sie sich total im Stich gelassen. Sie erhielten keinen Kredit. „Die Gastronomie sei eine Risikobranche, bekamen wir immer wieder zu hören“, zeigen sich die beiden Frauen enttäuscht und sauer. Umso mehr Ideen müssen sie haben, um Leben in die Bar zu bringen, um die 30 Sitzplätze an der Bar und die 60 Sitzplätze auf den Bänken voll zu bekommen. Ihnen schweben Mottoabende vor: Karaoke, Single-Treffs, Schlagerabende und Tanzcafés für Senioren. „Die älteren Leute kommen sonst immer zu kurz. Dabei wollen die auch noch etwas erleben“, findet Klaudia Tkocz. Was man im „Canapé“ auf jeden Fall nicht zu hören bekommt, ist Techno oder Hip-Hop-Musik, versichert Jeanette Booms. „Diese Musik passt einfach nicht hierher.“

 

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